Choreografisches und musikalisches Feuerwerk
Oberländisches Volksblatt / Echo von Grindelwald
Montag, 6. März 2000, Nr. 55

Ein Ad-hoc-Ensemble und die «Bärner Tanzmusig» begeisterten im Kursaal Interlaken
Was am Freitagabend auf und vor der Bühne des Theatersaales des Kursaals Interlaken an Tanz und Musik zu erleben war, kann als grossartig bezeichnet werden. Ein aus neun Tänzerinnen und drei Tänzern formiertes Ad-hoc- Ensemble und mit ihnen die zwei Musikerinnen und die drei Musiker der «Bärner Tanzmusik» boten beste Unterhaltung. Was werde ich da wohl zu sehen und zu hören bekommen - das mögen sich viele der recht stattlichen Besucher-schar gefragt haben, die sich zum Gang in den lnterlakner Kursaal entschieden hatten, um sich dort anzusehen und anzuhören, was unter dem Motto «D’Schwyz tanzt» über die Bühne gehen sollte. Dass es nicht ein Abend im Sinne eines folkloristischen Schweizer Heimatabends werden sollte, wurde hingegen sofort klar, als sich die «Bärner Tanzmusig» in die Ecke vor der Bühne setzte, wo mit Geige, Örgeli, Halszither, Häxeschit, singender Säge, Löffeli, Mundharmonika, B-, Es-, Alt- und Bassklarinette, Waschbrett, Hirten-flöte und Kontrabass ein überaus reiches lnstrumentarium auf seinen Einsatz wartete. Mit dem Ertönenlassen der ersten Melodienfolgen wurde schon klar, dass sich da mit Susanne Jaberg Keller, Esther Müller-Jaberg, Thomas Keller Jaberg, Christoph und Hanspeter Kuhn Musikerinnen und Musiker zusammen-gefunden haben, die in bewundernswerter Präzision zu musizieren wissen, die ein Team zu bilden verstehen, das sich, wohltuend sichtbar, mit Leichtigkeit und Fröhlichkeit zu verständigen und zu ergänzen weiss. Von Musikstück zu Musikstück wurde immer wieder in neuer Formation gespielt, praktisch jede und jeder verstand jedes der mitgebrachten Instrumente zu spielen, um so jeder einzelnen zur Aufführung kommenden Komposition eine eigene, immer sehr aus-sagekräftige Farbgebung zukommen zu lassen. Aussagekräftige Farb-gebung, die in effektvollem Masse zu unterstreichen und hervorzuheben ver-stand, was auf der Bühne an ebenso Effektvollem geschah. Verteilt auf zwei Blöcke, sorgten während nahezu 90 Minuten neun Tänzerinnen und drei Tänzer für ein getanztes Feuerwerk in bester Choreografie. Tänzerinnen und Tänzer, die, unterrichtet und angeführt von der heute in Ried, Kiental lebenden, in Holland geborenen, voll ausgebildeten Tanzpädagogin Sjoukje Benedictus, das 1998 gegründete Ad-hoc- Ensemble bilden. Ein Ensemble, das bereits auf verschiedene sehr erfolgreiche Auftritte zurückblicken darf. Ein Ensemble, das unter der sach- und fachkundigen Führung seiner Leiterin Leistungen zu erbringen weiss, die verblüffen, die erfreuen, die bezeugen, mit welchem Enthu-siasmus, mit welch Eifer, Freude und Liebe zum Tanz, zur Musik, zum Ausdrücken von Gefühlen, zum Einsetzen der Körpersprache da gearbeitet wird. Mit Sorgfalt wird darauf geachtet, dass dem klassischen Volkstanz zu bekannten Walzer-, Mazurka- oder Schottischklängen ebenso effektvoll gekonnte tänzerische Umsetzung zukommt wie den in bester Choreografie einherkommenden Tanzleinlagen zu Tango- oder Bluesklängen - all das war durch den ganzen Abend präsent. Originelle Einfälle, nie erlahmen-des, perfektes Ineinanderübergehen, keinerlei Abgleiten in billige Effekt-haschereien, straffe Führung und dezente Kostüme prägten jeden Programm-teil. Wie freute man sich da, statt Fahnenschwingern mal Besenschwingern zuzuschauen. Wie gerne schaute man zu, wie die Milch von der Kuh in den Eimer kommt. . . Wie hörte man überrascht zu, wenn sich plötzlich Tänzer-innen und Tänzer als gesangsstarkes Corps zeigten, das mitten in einer Tanz-einlage das Lied «Die Gedanken sind frei» anstimmte. Wie dem Beifall zu ent-nehmen war, hatte gefallen, was da auf und vor die Kursaalbühne gebracht worden war. Dass man im Verlaufe des Abends dann noch feststellen konnte, dass in der Person von Ursi Balmer von Ringgenberg (Harry und Silvia Balmer-von Allmens Tochter) auch eine einheimische Tänzerin das Bühnengeschehen mitprägte, bereicherte zusätzlich, was an Bewunderns wertem zu sehen und zu hören gewesen.

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